Krankheiten aus südlichen Ländern
Hunde aus dem Mittelmeerraum und teils auch aus Osteuropa sind durch
Insektenstiche und -bisse sowie Parasiten verschiedenen Infektionskrankheiten
ausgesetzt, die in Deutschland noch nicht so bekannt sind. Hier eine
Aufstellung.
Babesiose •
Ehrlichiose •
Hämobartonellose •
Leishmaniose •
Lyme-Borreliose •
Dirofilariose
Die Babesiose ist eine akut bis chronisch verlaufende Erkrankung, die durch
einzellige Parasiten (Babesien) verursacht wird.
Verbreitung:
Babesien treten weltweit, vor allem aber in den Tropen, den USA und den
Mittelmeerländern auf.
Übertragung:
Die Übertragung der Babesien erfolgt durch folgende Zeckenarten: Rhipicephalus,
Dermacentor, Haemaphysalis und Ixodes-Arten. Mit dem Speichel der Zecken
gelangen die Entwicklungsstadien der Babesien ins Blut, dringen danach in die
roten Blutkörperchen des Wirtes ein und zerstören diese.
Krankheitsbild:
Nach einer Inkubationszeit von zehn Tagen bis drei Wochen treten infolge der
massiven Zerstörung der roten Blutkörperchen folgende Symptome auf:
- Mattigkeit
- Fieber bis 42 Grad
- allgemeine Schwäche
- rotbraun gefärbter Harn (durch die Ausscheidung des abgebauten
Blutfarbstoffes)
- Nierenversagen
- Gelbsucht
Diagnose:
Nachweis der Babesien in den roten Blutkörperchen im Blutausstrich.
Prophylaxe:
Zeckenbekämpfung
Die Ehrlichiose tritt häufig gemeinsam mit der Babesiose auf, da beide
Erreger von denselben Zecken übertragen werden.
Übertragung:
Verursacht wird die Ehrlichiose durch Kleinstorganismen (Rickettsien), die sich
in den weißen Blutzellen des Hundes festsetzen und von diesen in Lymphknoten,
Leber und Milz, später auch in andere Organe transportiert werden.
Krankheitsbild:
Ein bis drei Wochen nach der Ansteckung kommt es zum Krankheitsausbruch mit
Fieberschüben bis 41 Grad Celsius, Appetitlosigkeit, Lymphknotenschwellungen,
Krampfanfällen und Blutungsneigung. Blutungen können sichtbar auf Haut und
Schleimhäuten oder unsichtbar in Gelenken auftreten. Später können sich
Knochenmarkschäden und chronische Blutarmut einstellen.
Der Erreger Hämobartonella Canis (Rickettsien) wird durch Zecken
(Rhipicephalus sanguineus) und evtl. Flöhe übertragen. Der Erreger kommt in
allen südlichen Ländern, besonders im Mittelmeerraum, vor. Inzwischen spricht
man auch von einem Vorkommen in Deutschland, wo die Zecke mit Tieren und
Pflanzen eingeschleppt wurde.
Inkubationszeit:
2- 14 Tage
Krankheitsverlauf:
Die Symptome sind Müdigkeit und eine sich langsam entwickelnde Anämie. Die
Prognose hängt vom Gesamtzustand und der Schwächung des Tieres ab.
Diagnose:
direkter Erregernachweis im gefärbten Blutausstrich
Prophylaxe:
Ein wirksamer Zecken- und Flohschutz durch Parasitenhalsband (z. B. Kiltix,
Scalibor) oder Spot-On-Präparaten (z. B. Exspot, Frontline – auch als Spray
erhältlich) ist in endemischen Gebieten unerlässlich. Zusätzlich sollte der Hund
nach jedem Spaziergang sorgfältig abgesucht und Zecken sofort entfernt werden.
Verbreitung:
Bei dem Krankheitserreger handelt es sich um einen Parasiten (Geißeltierchen wie
bei Malaria), der durch eine spezielle Sandfliege/Schmetterlingsmücke verbreitet
wird. Diese kommt in südlichen Ländern vor (Tropen, Subtropen und
Mittelmeerraum). Begünstigt wird die Verbreitung durch Feuchtgebiete (auch gut
gewässerte Gärten, Sumpfgebiete, Müllkippen in Wassernähe etc.).
Krankheitsbild:
Der Hund ist nach der Infektion zunächst unauffällig. Bis zum Ausbruch der
Krankheit vergehen Monate, manchmal Jahre. Zusätzlich auslösender Faktor scheint
großer Stress zu sein (Operation, dramatische Veränderung des Umfeldes, in
südlichen Ländern leider immer noch Quälerei oder ein anderer Stressfaktor bzw.
eine Schwächung des Immunsystems). Der Hund wird apathisch, lustlos und ist
schnell erschöpft. Ein massiver Gewichtsverlust, ausgelöst durch Appetitmangel
und schwere Durchfälle mit Erbrechen begleiten die Krankheit im Anfangsstadium.
Hautveränderungen, die mit Räude, Demodexmilben und vielleicht auch mit
Hitzestippen verwechselt werden, treten im weiteren Verlauf der Krankheit auf.
Auffallend sind Schorfbildung an der Nase, den Ohrrändern und zwischen den
Pfotenballen, schuppendes Fell und ein starker Juckreiz, wobei das Fell
ausfällt. An den Läufen und in der Leistengegend bilden sich kahle Stellen, die
sogar bluten können. Im Gesicht des Hundes tauchen Schwellungen (geschwollene
Lymphknoten) auf. Gleiches gilt für die Leistengegend.
Es kann zu einer zeitweiligen Lahmheit kommen, bei der der Hund nicht mehr
alle Extremitäten belastet, weil die Schmerzen zu stark sind. Auch Anzeichen
einer "Erkältung" mit einem der genannten Symptome zusammen können auf
Leishmaniose hinweisen. Die Ausscheidungen des erkrankten Tieres riechen sehr
stark, so dass jemand, der damit etwas Erfahrung hat, die Krankheit sogar
riechen kann. Auch die Netzhaut verändert sich. Diese sollte regelmäßig auf
Einblutungen überprüft werden. Gleiches gilt für den Augeninnendruck und
eventuelle Entzündungen des Innenauges. Unbehandelt hat der Hund keine
Überlebenschance, denn er stirbt nicht an den Geißeltierchen, die ihn befallen
haben, sondern an einer Zersetzung der inneren Organe und am Versagen des
gesamten Immunsystems.
Prophylaxe:
Bisher ist kein Impfschutz möglich. Das Einreiben mit Insektenschutzmitteln
bietet zwar keinen sicheren Schutz, hilft aber etwas. Neu auf dem Markt sind
spezielle Halsbänder SCALIBOR (Hersteller Hoechst Roussel Vet). Erhältlich sind
diese bei den Tierärzten. Da die Sandfliegen insbesondere in der Dämmerung aktiv
sind, sollten in dieser Zeit die Hunde im Haus gehalten werden.
Der Erreger der Lyme-Borreliose, Borrelia burgdorferi, wir der Familie der
Spirochaetaceae zugerechnet.. Die Verbreitung erstreckt sich rund um den Globus.
In Mitteleuropa werden die Borrelien von der dreiwirtigen Schildzecke (Ixodes
ricinus) übertragen, es können ALLE Zeckenstadien infiziert sein. Die Bakterien,
die im Darm der Zecke leben, werden durch die Blutmahlzeit aktiv. Nachdem der
Hund von der Zecke gestochen wurde, dauert es ca. 24 Stunden bis die Bakterien
in den Hund eingedrungen sind. Eine umsichtige Entfernung der Zecken vor dieser
Zeit kann die Infektion verhindern! Endemische Gebiete stellen vor allem
Flussniederungen dar. Hauptsächliche Wirte der Borrelien sind vor allem Nager
und Insektenfresser. Die Zecken sind vor allem von März bis Oktober aktiv, wobei
die höchste Aktivität auf die Monate April bis Juli und September fällt.
Krankheitsverlauf:
Symptome der Borreliose können sein: einzelne oder wiederkehrende Fieberschübe,
Lethargie, Fressunlust und Gewichtsverlust, Lahmheit und
Lymphknotenschwellungen. Es kann aber auch zu Herzbeschwerden, neurologischen
Auffälligkeiten oder Nierenerkrankungen kommen. Bei länger andauernder,
wechselnder Lahmheit oder Arthritis sollte an eine Borreliose gedacht und diese
ausgeschlossen werden.
Diagnose:
Die Diagnosestellung bei der Borreliose ist aufgrund der unspezifischen Symptome
schwierig. Dabei sollte der Nachweis aufgrund der Fragestellung erfolgen. Es
gibt hierzu verschiedene Möglichkeiten:
- Borreliose-Antikörpertiter: Immunfluoreszenztest, der Antikörper
frühestens 2 Wochen nach Infektion nachweist; früher ist höchstens ein
Erregernachweis möglich.
- Borreliose-Immunoblot: Durch diesen serologischen Test werden Antikörper
gegen einzelne Borrelien-Antigenfraktionen nachgewiesen. Dieser Test ist
spezifischer und auch aufwendiger und teurer als der Immunfluoreszenztest.
Sinnvoll zur Abklärung niedriger oder fraglicher Titer.
- Borrelien-PCR (Polymerase-Kettenreaktions-Test): Direktnachweis (schnell
und sehr empfindlich), benötigtes Untersuchungsmaterial z. B.
Gelenksflüssigkeit.
Prophylaxe:
Ein wirksamer Zeckenschutz durch Parasitenhalsband (z. B. Kiltix, Scalibor) oder
Spot-On-Präparaten (z. B. Exspot, Frontline – auch als Spray erhältlich) ist in
endemischen Gebieten unerlässlich. Zusätzlich sollte der Hund nach jedem
Spaziergang sorgfältig abgesucht und Zecken sofort entfernt werden.
Erreger ist Dirofilaria immitis, eine Filarienart. Er ist obligat zweiwirtig.
Ca. 60 verschiedene Stechmückenarten übertragen die Mikrofilarien (die
Vermehrungsform). Daraus entwickeln sich im Endwirt Hund die adulten Herzwürmer
oder Makrofilarien. Diese Makrofilarien finden sich in großer Zahl im rechten
Herzen, der gr. Lungenarterie, der gr. Hohlvene und gelegentlich in anderen
Organen. Blutgefäße und Arterien können dadurch verstopfen und es kommt zu
Einschränkungen der Herzfunktion. Die Makrofilarien sind 1 mm dick und 20-30 cm
lang. Das Erregerreservoir bilden latent infizierte Hunde.
Das Vorkommen der Krankheit wird durch die Verbreitung der Stechmücken
bestimmt. Das größte Infektionsrisiko haben in Europa die Mittelmeerländer.
Die Ausprägung der Symptome ist von Anzahl und Lokalisation der Makrofilarien
abhängig. Die Patienten ermüden schnell und zeigen Atemnot, Husten, Herzrasen,
Herzerweiterung, Leberstauung, Bauchwassersucht, Wasser in den Beinen. Der
direkte Nachweis der Mikrofilarien erfolgt durch mikroskopische Untersuchung des
Kapillarausstrichs. Die Blutprobe muss abends entnommen werden, weil dann die
Mikrofilarien am zahlreichsten im Blut vorkommen. Die Untersuchung auf adulte
Filarien erfolgt über Antigennachweis im Serum.
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